Wenn nichts mehr geht – Notfunk mit CB-Funk
Wenn die üblichen Kommunikationswege, Mobilfunknetz, Festnetz und Internet stark beeinträchtigt oder ausgefallen sein werden, wird die Notfunk-Kommunikation in Berlin-Brandenburg über CB-Funk funktionieren und dabei helfen können, Informationen zu verbreiten oder Hilfe zu organisieren.
Auch wenn nichts los ist
Wenn man an normalen Tagen die 80 Kanäle des CB-Funk-Bandes beobachtet oder den Scanner laufen lässt, um sendende Stationen ausfindig zu machen, kann man den Glauben daran, dass überhaupt noch jemand auf diesen Kanälen anzutreffen ist, recht schnell verlieren.
Oder stellt man sein Gerät zum Beispiel auf den angeblichen Anrufkanal 1 auf Empfang ein, können Tage, sogar Wochen vergehen, bevor dort mal eine Stimme zu hören ist. Ruft man selbst hin und wieder in den Kanal hinein, weil ja anderswo Funker auf gleiche Weise ebenfalls auf ein Signal hoffen könnten, ist die Erfolgsaussicht, eine Antwort zu erhalten, auch nicht deutlich größer. Ausnahmen bestätigen die Regel, wie der Beitrag “Ein normaler Morgen eines CB Funkers” zeigt.
Notfunk auf CB kann funktionieren
Wieso behaupte ich dennoch, dass der Notfunk in Berlin-Brandenburg funktionieren könnte?
Da sind zum einen vereinzelte Gesprächsrunden, denen mal hin und wieder lauschen kann, wenn man geduldig genug war und diese ausfindig gemacht hat. Viele sind es nicht, verglichen mit den Hochzeiten des CB-Funks. Damals war es teilweise kaum möglich, einen freien Kanal zu finden.
Aber das ist noch nicht Grund für den Optimismus. Die Sonntage sind es, die mich optimistisch stimmen. Denn sonntags findet die SSB Runde Berlin-Brandenburg statt. Immer ab ca. 19:00 Uhr beginnt eine Art Bestätigungsverkehr. Mehrere Stationen in und um Berlin, teilweise an erhöhten Positionen, rufen abwechselnd auf Kanal 3 in der Betriebsart USB, „CQ SSB Berlin-Brandenburg….“. Sich meldende Stationen werden begrüßt, Empfangswerte ausgetauscht und der Kontakt notiert. Das Schauspiel geht oft über mehrere Stunden. Dabei werden meist deutlich über 100 Kontakte aus Berlin, Brandenburg und hin und wieder auch von weiter weg bestätigt. Die Facebook-Gruppe der SSB Berlin/Brandenburg Runde informiert über die aktuellen Ereignisse.
CB-Funk ein Informationsnetz innerhalb des Rings
Das, ist der eigentliche Grund, anzunehmen, dass im Notfall (Blackout, Natur- oder sonstige Katastrophe), eine Grundversorgung an Kommunikation für die Bevölkerung möglich ist.
An diesen Sonntagen werden zwar im Wesentlichen nur Empfangsdaten, also Stärke und Qualität der eingehenden Signale, ausgetauscht, in einem Ernstfall könnten das aber natürlich auch andere Informationen sein.
Generell könnten also Informationen problemlos innerhalb des Berliner Autobahnrings und sicher auch darüber hinaus, ausgetauscht werden. Ein Grundgerüst für Organisation von Selbsthilfe wäre also durchaus vorhanden.
Autarke Stromversorgung für den Notfunk
Wichtig wäre allerdings zu wissen, wie viele der teilnehmenden Stationen über eine autarke Stromversorgung verfügen. Also wie viele Stationen zum Beispiel bei einem Blackout noch einsatzfähig wären. Eine entsprechende Anfrage beim (Mit-)Organisator, das mal abzufragen und mir mitzuteilen, blieb bisher leider unbeantwortet.
Dass zu normalen Zeiten nicht ganz so viel auf den CB-Funkkanälen los ist, könnte auch dem Umstand geschuldet sein, dass viele der Teilnehmer, der SSB-Runde Berlin-Brandenburg Funkamateure sind, die sich entweder aus nostalgischen oder anderen Gründen sonntags zur Berlin-Brandenburgschen SSB Runde einfinden oder sich einfach nur über das Event selbst freuen, weil auf den Amateurfunkbändern auch nicht deutlich mehr los ist, wenn nicht gerade irgendwelche Conteste stattfinden. Auch hier hatte ich nachgefragt, ob es Erkenntnisse über den Anteil von Funkamateuren an der SSB-Runde gibt, und ebenfalls noch keine Antwort erhalten.
Lizenzfreie Funkanwendungen unterstützen die Selbsthilfe
Auf diesem Grundgerüst könnte der Notfunk mit lizenzfreien Funkanwendungen aufbauen und es um lokale Gruppen erweitern.
In einer flächendeckenden Notlage könnten sich überall kleinere Gruppen bilden, die ihre Selbsthilfe vor Ort mit der Hilfe von PMR446- oder Freenet-Geräten organisieren. Im Optimalfall vorher festgelegte Stationen würden per CB-Funk über größere Strecken zu anderen Gruppen Kontakt herstellen und halten. Funkamateure würden dann vielleicht weitere Schnittstellen zu Behörden oder Hilfsorganisationen besetzen und betreiben.
Die Organisation der Selbsthilfe während einer länger anhaltenden, flächendeckenden Schadenslage ist hier nur ganz grob angerissen. Herbert Saurugg zum Beispiel hat sich da zum Thema Selbsthilfe-Basen bereits ausführliche Gedanken gemacht. Dieses Konzept könnte man an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten anpassen und im Vorfeld bekannt machen.
Notfunkrunde Berlin Brandenburg
Genau diese lokale Anpassungen möchte die Notfunkrunde Berlin Brandenburg für das gleichnamige Gebiet vornehmen. Dazu gehört die Erarbeitung sinnvoller Empfehlungen und die Sensibilisierung der Bevölkerung, Behörden und Organisationen für dieses Thema ebenso wie die Zusammenarbeit mit anderen Funkdiensten. Die Notfunkrunde Berlin Brandenburg nutzt Zello zur Organisation, weil dort sicher über größere Strecken kommuniziert werden kann, solange die notwendige Infrastruktur vorhanden ist.
Wie schaut’s bei euch aus?
Funktioniert euer Not Funk System jetzt gerade bei dem großen Stromausfall?
Bitte um einen Lagebericht an office@stamberg.at
Liebe Grüße aus Niederösterreich. Wir sind gerade dabei, hier bei uns ein CB Funknetz aufzubauen.. Bitte um Erfahrungswerte.
Ihr findet uns auch auf Facebook auf der Seite, Niederösterreich Funk.
Hallo Helmut,
von “Not Funk System” kann man nicht gerade sprechen, aber einige Menschen konnten bereits über Funk erreicht werden. Momentan dient es aber eher als Informationsquelle (was wichtiger ist, als man glauben mag). Über die Seite notfunk.t-day.net wird auf die Kanäle und Frequenzen hingewiesen und dort gibt ew auch aktuelle Informationen zu offiziellen Angeboten (Übernachtungen, Wärmehallen-, Busse, etc., Essensausgaben, Duschen, u.s.w.). Sicher wird es in Zukunft in unserer Region einige Menschen mehr geben, die sich Funkgeeräte anschaffen und nutzen werden. Ansonsten ist die Lage für die Betroffenen sicher kritisch, wegen der örtlichen Begrenzung kann aber jeder mobile Mensch jederzeit aus dem Schadengebiet heraus in die Normalität.Ich selbst war lediglich rund 16 Stunden vom Stromausfall betroffen, dank ausreichend vorhandener und geladener Batterien war der Funkbetrieb aber zu keiner Zeit eingeschränkt. Wenn es länger gedauert hätte (noch hält der Ausfall bei ca. 20.000 Haushalten an), bis zum avisierten Donnerstag Nachmittag, dann hätte ich noch einige Solarmodule nachrüsten müssen (wären vorhanden gewesen), da die jahreszeitbedingte kurze Sonnenscheindauer in Verbindung mit der aktuellen Witterung nicht ausgereicht hätten, die Batterien ausreichend aufzuladen.