Wenn das Netz weg ist
Es ist das Szenario, das wir alle theoretisch kennen, aber dessen Tragweite uns erst bewusst wird, wenn es dunkel wird: Ein Stromausfall. Der jüngste Vorfall im Berliner Südosten hat uns wieder einmal vor Augen geführt, wie fragil unsere gewohnte Infrastruktur tatsächlich ist.
Strom weg, Licht aus – das ist der erste Gedanke. Aber was viel schneller für Unruhe sorgt, ist der Blick auf das Smartphone. Keine Balken, kein LTE, kein WLAN. Innerhalb kürzester Zeit sind wir von der Außenwelt abgeschnitten. Mobilfunkmasten haben oft nur Notstrom für wenige Stunden, Festnetztelefone funktionieren ohne Strom ohnehin nicht mehr. Wer in so einer Situation Hilfe braucht oder einfach nur Angehörige erreichen will, steht buchstäblich im Funkloch.
Die Rückkehr des Analogen
In genau solchen Momenten schlägt die Stunde einer Technik, die viele schon totgesagt haben: Der Funk. Unabhängig von Providern, Serverfarmen und Glasfaserkabeln ermöglicht der klassische Funkverkehr (sei es CB-Funk oder das jedermann zugängliche PMR446) eine Kommunikation von Nachbar zu Nachbar oder über Stadtteile hinweg.
Es geht dabei nicht um “Doomsday-Prepping” oder Panikmache, sondern um Resilienz. Ein kleines Handfunkgerät im Schrank, betrieben mit handelsüblichen Batterien, kann im Ernstfall den entscheidenden Unterschied machen – sei es, um Informationen über die Lage zu bekommen oder einen Notruf abzusetzen, wenn die 112 über das Festnetz nicht mehr erreichbar ist.
Wie fängt man an?
Die Hürde ist oft kleiner, als man denkt. Man muss kein lizenzierten Amateurfunker sein, um sich abzusichern. Wichtig ist jedoch, dass man sich auf gemeinsame Standards verständigt. Wenn jeder auf einer anderen Frequenz sendet, hört niemand den Hilferuf.
Gerade für Einsteiger ist es oft schwer, den Überblick über Frequenzen, Geräte und rechtliche Rahmenbedingungen zu behalten. Wer sich hier einlesen möchte, ohne gleich ein Physikstudium zu absolvieren, findet mittlerweile gute, bürgernahe Leitfäden im Netz. Eine sehr praxisorientierte Übersicht zu den aktuellen Empfehlungen und Kanalbelegungen wurde beispielsweise kürzlich unter krisenfunk.de veröffentlicht. Dort werden sinnvolle Standards definiert, damit im Notfall eben nicht aneinander vorbeigefunkt wird.
Fazit
Der Ausfall in Berlin war hoffentlich nur eine Warnung und kein Dauerzustand. Aber er ist ein guter Anlass, die eigene Erreichbarkeit im Krisenfall zu überdenken. Ein batteriebetriebenes Radio und vielleicht ein Satz PMR-Funkgeräte kosten nicht die Welt – bringen aber ein Stück Sicherheit zurück, wenn die digitale Welt einmal Pause macht.